WebKit

WebKit ist eine freie HTML-Rendering-Engine, mit deren Hilfe Webseiten in Webbrowsern dargestellt werden. WebKit ist eine vom Unternehmen Apple weiterentwickelte Abspaltung von KHTML und der JavaScript-Implementierung KJS, das die Grundlage für den Mac-OS-X-Webbrowser Safari bildet. Sie wird mittlerweile von Apple, Nokia, Google und anderen weiterentwickelt.

Obwohl WebKit in Trolltechs Qt 4.4 enthalten ist, stammt die Grundlage von KDE. Die Bibliothek besteht aus den Komponenten WebCore (der für die HTML-Darstellung zuständigen Bibliothek) und dem JavaScript-Parser JavaScriptCore. Der komplette Quelltext ist quelloffen und steht teils unter LGPL, teils unter BSD-Lizenz.

Komponenten

WebCore
WebCore ist eine Layout-, DOM- und Render-Bibliothek für CSS und SVG, die von KHTML abgespalten wurde. Es besteht den Acid2-Test und seit September 2008 in den Entwicklungsversionen als erste HTML-Rendering-Engine auch den Acid3-Test, mit pixelweise exaktem und auf Referenzhardware flüssigem Rendering.

JavaScriptCore
Als Abspaltung von KJS arbeitet JavaScriptCore als (Quelltext-)Interpreter. Zur Beschleunigung der Ausführungsgeschwindigkeit wurde es zunächst zu SquirrelFish weiterentwickelt, das den JavaScript-Code vor der Ausführung in Bytecode übersetzt (Bytecode-Interpreter), und weiter zu SquirrelFish Extreme (kurz SFX), welches direkt zu Maschinensprache kompiliert (Just-in-time-Kompilierung). SquirrelFish Extreme unterstützte anfangs nur x86-Architekturen, seit Ende Januar 2009 ist es jedoch auch für AMD64 verfügbar.

Drosera
Drosera ist ein Debugger für JavaScript-Code. Er wurde nach dem lateinischen Namen für die fleischfressende Pflanze Sonnentau benannt.

SunSpider
SunSpider ist eine Benchmark-Suite zum Testen der Geschwindigkeit von JavaScript-Implementierungen.

Geschichte

WebKit entstand aus der HTML-Engine KHTML und der JavaScript-Engine KJS des KDE-Projekts: Apple hatte eine Abspaltung der Engines erstellt und diese weiterentwickelt. Apple benötigte damals eine eigene HTML- und JavaScript-Engine für seine Softwareprodukte und entschied sich für KHTML und das Schwesterprojekt KJS, da der Code als übersichtlicher und strukturierter galt als der des damaligen Mozilla-Projektes. Apple portierte die Quellen des KDE-Projekts auf Mac OS X und benannte diese in WebCore und JavaScriptCore um.

2003 wurde das Projekt offiziell bekannt gemacht und die Quellen gemäß der Lizenzen der KHTML- und KJS-Projekte freigegeben. Doch stieß die Art der Weitergabe und Veröffentlichung des veränderten Codes auf Kritik: Die KDE-Entwickler warfen Apple vor, Änderungen nur in großen, schwer zu überblickenden Paketen bereitzustellen; dies mache eine Übernahme von Code schwierig, wodurch sich die Projekte mehr und mehr voneinander entfernten.

Im Juni 2005 versprach Dave Hyatt von Apple, den Entwicklungsprozess zu öffnen und alle Quellen von WebKit in einem CVS-Baum bereitzustellen. Daraufhin kündigte Nokia einen Browser auf dieser Basis an, und Adobe gab bekannt, dass auch die Adobe Integrated Runtime WebKit integriere. Im September 2009 begannen die Entwickler damit, in WebKit 3D-Funktionen zu integrieren. Diese 3D-Funktionen werden zum Teil mit der freien JavaScript-Schnittstelle WebGL realisiert, die ihrerseits auf bereits entwickelten Funktionen von OpenGL aufbaut.

Seit Google entschied, seinen neuen Webbrowser Chrome auf dem WebKit-Bestandteil WebCore aufzubauen (daneben wird eine eigene JavaScript-Implementierung verwendet), arbeitet auch Google an der Weiterentwicklung von WebKit. Im April 2010 wurde Webkit2 vorgestellt. Dabei handelt es sich um eine von Grund auf neu entworfene Version, bei der das Rendering (u.a. von HTML, JavaScript, CSS) in einem anderen Prozess abläuft als die Programmoberfläche.

Verwendung

WebKit ist seit Version 10.3 Teil des Betriebssystems Mac OS X. Hauptsächlich wird es im Browser Safari verwendet, aber auch in der Hilfe-Funktion und in der HTML-Darstellung in TextEdit und Mail. Weiter bildet WebKit die Grundlage für die Browser Google Chrome, SRWare Iron, OmniWeb, Shiira, iCab und Midori (bei Midori allerdings in der Variante WebKitGTK+, da Midori in C geschrieben ist). Mit Google Chrome, Midori, Arora, Dooble und Safari gibt es inzwischen auch Anwender von WebKit unter Windows.

Auch der Browser Lunascape, der auf mehrere Rendering-Engines zurückgreift, kann WebKit verwenden. Die dritte Version des Browsers Maxthon setzt es ebenfalls ein. Auch bei den Browsern mobiler Endgeräte spielt WebKit eine große Rolle: So setzt ABrowse es seit Juli 2007 für das Betriebssystem Syllable als Basis anstelle des zuvor verwendeten KHTML ein. Das freie Smartphone-Betriebssystem Openmoko und Android, Googles Softwareprojekt für mobile Systeme, verwenden WebKit.

Außerdem ist WebKit integraler Bestandteil des Mobilbetriebssystems HP webOS (früher Palm) für Smartphones und Tablets und dient dort der Darstellung der Benutzeroberfläche. Hinzu kommen iPhone/iPodTouch/iPad von Apple und Nokias S60-Serie. Im August 2010 hat RIM die Benutzung von WebKit angekündigt.

Die französische Firma Pleyo bietet mit ihrem Origyn Web Browser (OWB) einen auf WebKit basierenden Browser unter BSD- oder LGPL-Lizenz für Unterhaltungselektronik (zum Beispiel Mobilgeräte, Set-Top-Boxen) wie das Nokia N800 oder AmigaOS an. Die HTML-Inhalte darstellenden Programme der freien Desktop-Umgebung GNOME, unter anderen der Standard-Browser Epiphany, sind ebenfalls seit Version 2.28 auf WebKit umgestellt. Zahlreiche GTK-basierte Programme, die teils ebenfalls zum GNOME-Projekt gehören, werden ebenfalls umgestellt.

Seit der KDE Software Compilation 4.5 ist es möglich, WebKit aus den Extra-Gear-Quellen zu installieren und im Standard-Browser Konqueror als Alternative zu KHTML auszuwählen. Der neu geschriebene schlanke Browser Rekonq baut direkt auf WebKit auf. Die Distribution Kubuntu nutzt seit Maverick Merekat 10.10 Rekonq als Standardbrowser.

Seit seinem großen Interface-Update 2010 benutzt die Computerspiel-Vertriebsplattform Steam WebKit als HTML-Renderingengine. Das Kommandozeilen-Werkzeug wkhtmltopdf benutzt WebKit zum Rendern von HTML-Dokumenten, um diese dann im PDF-Format zu speichern.

Quelle: Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Webkit)

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